Sambia: Eine Reisebegegnung in der Weite von Chibombo
Etwas nördlich der Hauptstadt Lusaka liegt unsere Projektregion Chibombo, ein sehr ländliches Gebiet. Die Strassen sind nicht glatt und perfekt für Autos geeignet. Stattdessen fuhren wir oft über Sand- und Steinwege. Auf unseren Fahrten fiel mir vor allem eines auf: Wir waren ewig unterwegs und sahen fast nur unberührtes Land. Kaum Tiere, kaum Menschen, sondern einfach kilometerweite Flächen. Mitten in dieser fast leeren Gegend erreichten wir schliesslich den Shop von Agnes. Der Laden erinnert an eine sehr kleine Version eines Dorfladens. Es ist ein Ort, der ganz allein von der Motivation und dem Ehrgeiz einer Frau getragen wird – und für uns die Definition von Wandel ist.
Reisen Sie mit mir nach Chibombo und erfahren Sie, wie Agnes’ Geschichte auch Ihren Blick verändern kann.
Mit Mut gegen die Krise
Agnes Mwale ist Witwe und zweifache Mutter. Als ihr Mann 2015 verstarb, stand sie vor der Herausforderung, allein für ihre Familie sorgen zu müssen. Sie baute sich daraufhin zwei Standbeine auf: Während der Mango- und Guavensaison verkaufte sie Obst, in der restlichen Zeit konzentrierte sie sich auf Fritters. Das sind fluffige, frittierte Teigbällchen, die traditionell als Frühstück oder Snack gegessen werden und Berlinern ohne Füllung ähneln. Ihre Ware bot sie damals auf einem einfachen Tisch vor ihrem Haus an.
Schon damals bewies sie einen bemerkenswerten Blick für ihre Finanzen. Sie sparte einen Teil der Einnahmen aus der Obstsaison an, um später die Zutaten für die Fritters kaufen zu können. Das bedeutete im Umkehrschluss allerdings auch, dass sie ihre Ausgaben zu Hause stark einschränken musste. Es war keine leichte Zeit für sie und ihre Kinder.
Doch wenn Agnes heute von ihrem Weg erzählt, wirkt sie keine Sekunde lang traurig oder unsicher. Im Gegenteil: Sie strahlt ein tiefes Selbstbewusstsein aus. Ihre Disziplin hat sie genau dorthin gebracht, wo sie heute steht.
Wissen als Grundstein für den Wandel
Der Wendepunkt war eine Businessschulung, an der Agnes teilnahm. Sie lernte die Grundlagen der Buchhaltung kennen – und was mich besonders beeindruckt hat: Sie setzt das Gelernte im Alltag konsequent um. Stolz holte sie ein kleines Buch heraus und zeigte uns ihre sauber geführten Zahlen.
Ihre Fritters verkauft sie noch immer, stolze 120 Stück pro Tag. Dank des Startkapitals, das sie nach der Schulung erhielt, konnte sie ihr Geschäft jedoch entscheidend ausbauen. Sie eröffnete ihren eigenen kleinen Shop und bietet ihren Kunden heute weit mehr an: von Hygieneartikeln über Suppenbrühe bis hin zu Snacks.
Die Menschen in der Umgebung schätzen das sehr. Manche nehmen weite Wege auf sich, um bei ihr einzukaufen. Besonders ihre Fritters sind so beliebt, dass die Kunden auch klaglos warten, wenn Agnes einmal mehr Zeit braucht. Ich wollte an dieser Stelle unbedingt selbst einen probieren, aber der gute Ruf täuschte nicht: Sie waren bereits restlos ausverkauft.
Agnes führt das Geschäft komplett allein. Sie kann ihre Familie heute gut ernähren, doch was sie besonders stolz macht, ist ihre Unabhängigkeit. Sie muss keine Not leiden und kann ihr Leben selbst gestalten. Ihr nächstes Ziel ist es, in neue Ware für den Shop zu investieren. Wie eine echte Geschäftsfrau behält sie Angebot und Nachfrage im Blick, um flexibel zu bleiben.
Warum Agnes Mwales Erfolg eine Gemeinschaft verwandelt
Erinnern Sie sich an den Fakt über Sambia vom Anfang? Als ich dort war, musste ich ständig daran denken. Vor Ort begreift man erst, was es bedeutet, in einem so riesigen Land mit so wenigen Menschen zu leben. Das hat mir die Augen dafür geöffnet, wie wichtig Selbstversorgung ist.
Agnes’ Shop ist nicht nur für sie persönlich ein Meilenstein, sondern ein echter Gewinn für die ganze Gemeinschaft. Ihr Laden gibt den Nachbarn die Möglichkeit, Dinge des täglichen Bedarfs direkt in der Nähe zu kaufen, ohne dafür kilometerweite Wege zurücklegen zu müssen.
Mir war es wichtig, Agnes’ Geschichte als Teil meiner Reise zu teilen. Begegnungen wie diese haben meine eigene Hoffnung gestärkt und zeigen mir, wie viel Zuversicht in unseren Projekten steckt.