Auf nach Peru: Zukunft gestalten mit Bildung und Inklusion

Peru ist ein Land voller Gegensätze: Wirtschaftlich starke Küstenregionen treffen auf abgelegene Gebiete im Hochland. Diese Unterschiede sind im Alltag deutlich spürbar – besonders, wenn es um Bildung und Inklusion geht. Hier setzt die Projektreise von Vera Schaffer, Bereichsleiterin Internationale Programme, an. Zwei Wochen lang besuchte sie gemeinsam mit Thomas Stahl, CEO, unsere Partnerorganisationen vor Ort.

Beeindruckt von der Offenheit der Menschen und den Lebensbedingungen in verschiedenen Regionen, teilt Vera Schaffer ihre Eindrücke in diesem Artikel. Erfahren Sie jetzt, wie Bildung Zugänge schafft und Inklusion ermöglicht.

Eindrücke, die bleiben – Ein kurzes Interview

Was haben dir die Begegnungen mit den Projektbeteiligten persönlich bedeutet?

Vera Schaffer: Es war für mich sehr berührend und bereichernd. Besonders eindrücklich waren die grosse Herzlichkeit, Wärme und Gastfreundschaft der Menschen. Trotz oft schwieriger Lebensumstände strahlten viele eine bemerkenswerte Positivität und einen klaren Blick nach vorne aus. Ich habe eine grosse gegenseitige Wertschätzung zwischen den Projektbeteiligten und den durchführenden Partnern gespürt, was mich sehr beeindruckt hat. Die offene, vertrauensvolle Teamatmosphäre, insbesondere bei Paz y Esperanza, hat mir gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt und gemeinsames Engagement für eine erfolgreiche Projektarbeit sind.

Besonders eindrücklich war die grosse Herzlichkeit, Wärme und Gastfreundschaft der Menschen. (Vera Schaffer)

Projektreisen ermöglichen Begegnungen auf Augenhöhe

Welche neuen Erkenntnisse oder Erfahrungen hast du aus deiner Reise mitgenommen?

Vera Schaffer: Die Reise hat mir die grossen Unterschiede innerhalb Perus deutlich vor Augen geführt: zwischen der wirtschaftlich stärker entwickelten Küstenregion und dem Hochland sowie dem Amazonasgebiet. Diese Kontraste haben mein Verständnis für die unterschiedlichen Lebensrealitäten vertieft. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie professionell und engagiert die lokalen Partner arbeiten. Die Kombination aus schönen, entspannten Momenten, etwa mit Musik und gemeinsamer Zeit, und sehr strukturierten, professionellen Weiterbildungen und Schulungen war für mich besonders wertvoll. Bei Renacer hat mich zudem stark beeindruckt, wie kontinuierlich nach Lösungen und neuen Möglichkeiten gesucht wird, um die Projekte innovativ weiterzuentwickeln.

Die Kombination aus schönen, entspannten Momenten, etwa mit Musik und gemeinsamer Zeit, und sehr strukturierten, professionellen Weiterbildungen und Schulungen war für mich besonders wertvoll. (Vera Schaffer)

Zusammenhalt und gemeinsames Engagement sind entscheidend für erfolgreiche Projektarbeit

An welches Erlebnis erinnerst du dich besonders gern – und warum?

Beim Besuch des Berufsbildungszentrums/CETPRO in Andarapa wurden wir mit einem wunderschönen Tanz herzlich empfangen. Der Rundgang begann in offener und herzlicher Atmosphäre. Besonders interessant war zu sehen, wie vielfältig die Ausbildungsmöglichkeiten auf sehr begrenztem Raum umgesetzt werden: Coiffeurhandwerk, Kochen und Patisserie sowie eine kleine Schreinerei. Die angebotenen Berufe orientieren sich an den Bedürfnissen der Region und eröffnen Menschen jeden Alters echte Perspektiven. Ausserdem begegneten wir einigen Schülerinnen und Schülern wieder, die wir am Vormittag in der Sekundarschule kennengelernt hatten. Das Ziel von Paz y Esperanza, ein duales Bildungssystem zu schaffen, zeigt hier deutlich Wirkung. Die Motivation der Teilnehmenden war spürbar und ihr Lächeln ansteckend. Ich freue mich schon auf den weiteren Verlauf des Projekts.

Die Motivation der Teilnehmenden war spürbar und ihr Lächeln ansteckend. (Vera Schaffer)

Der Tanz, die Farben, die Herzlichkeit – so wird eine Begegnung unvergesslich

Lernen als Schlüssel – Einblicke in Bildungsinitiativen

Bildung ist weit mehr als Unterricht. Sie bedeutet, junge Menschen zu stärken und sie in ihrem Engagement ernst zu nehmen. An der High School in Andarapa steht genau das im Mittelpunkt. Hier vermittelt unser lokaler Partner Paz y Esperanza (PyE) jungen Menschen Kompetenzen, die weit über den Schulalltag hinausgehen – Kommunikation, Leadership und Mitbestimmung.

Eine der Teilnehmerinnen ist Mariella. Jeden Morgen legt sie eine Stunde Weg zu Fuss zurück, um zur Schule zu kommen. Der Weg ist lang, doch Mariella geht ihn mit einem Ziel: Sie will lernen, wachsen und etwas bewegen. Als Mitglied der Schülervertretung setzt sie sich dafür ein, dass die Anliegen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler Gehör finden – sei es bei Freizeitangeboten, beim Schulsport oder bei kulturellen Aktivitäten.

Durch Trainings zu Kommunikation, Leadership und Partizipation hat Mariella gelernt, selbstbewusst aufzutreten und Verantwortung zu übernehmen

«Früher waren viele eher still», erzählt Mariella. «Jetzt trauen wir uns mehr, bringen Ideen ein und helfen einander.» Die Trainings von PyE haben dazu beigetragen, dieses Selbstvertrauen zu fördern. Eines der Projekte, der gemeinsame Schulgarten, stärkt besonders den Zusammenhalt und vermittelte praktische Kenntnisse zu Ernährung und Teamarbeit.

Jetzt trauen wir uns mehr, bringen Ideen ein und helfen einander. (Mariella) 

Das Salatprojekt, bei dem Schülerinnen und Schüler gemeinsam Gemüse anbauten, hat viel bewirkt – es förderte gesunde Ernährung, Teamarbeit und Selbstvertrauen

Mariellas Engagement zeigt, was möglich ist, wenn junge Menschen gestärkt werden, ihre Meinung einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Mit Bildung, Vertrauen und Unterstützung entsteht Veränderung.

Inklusion leben – Begegnungen, die bewegen

Auch im Bereich Inklusion wird deutlich, wie viel gezielte Förderung bewirken kann. In Luyando und Tingo Maria lernen Menschen mit Behinderungen handwerkliche Fähigkeiten – und stärken so ihre Selbstständigkeit.

Besonders eindrücklich ist die Geschichte von José, der seine Tochter Harumi begleitet. Sie lebt seit 2025 in Luyando, um bei unserer Partnerorganisation Renacer eine Ausbildung zu absolvieren. Aufgrund ihrer psychomotorischen Beeinträchtigung und Epilepsie brauchte sie eine Umgebung, die sie unterstützt. Der Umzug war für die Familie ein grosser Schritt. Allerdings zeigt sich inzwischen, wie sehr sich der Einsatz lohnt: Harumi ist selbstbewusster geworden, kommuniziert offener und entdeckt Freude an ihrer Kreativität.

Zwischen Farben, Schalen und gestrickten Schals erlebt José, wie Licht in das Leben seiner Tochter Harumi kommt

Sie fertigt kleine Handarbeiten an, Schalen und Strickwaren, die sie verkaufen kann. Für ihren Vater ist das ein grosser Fortschritt. «Sie entwickelt sich, lernt, und ich merke jeden Tag, dass sie stark ist», sagt er mit einem Lächeln. «Es erfüllt mich, dass sie ihre Fähigkeiten zeigt und selbstständig etwas schafft. Es gibt mir Hoffnung für die Zukunft. Jetzt weiss ich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.»

Menschen zu fördern und Bedingungen zu schaffen, in denen sie ihre Stärken entfalten können – das ist Inklusion. In Luyando erlebt José, wie Hoffnung, Geduld und Begleitung alles verändern können.

Es erfüllt mich, dass sie ihre Fähigkeiten zeigt und selbstständig etwas schafft. Es gibt mir Hoffnung für die Zukunft. (José) 

Fazit

Entwicklungszusammenarbeit wirkt konkret durch Partnerschaft, Vertrauen und kontinuierliche Begleitung. Vera Schaffer kehrte mit vielen Eindrücken und klaren Erkenntnissen von ihrer Projektreise zurück und eines ist sicher: Bildung und Inklusion gehören zusammen und beides funktioniert nur, wenn Menschen aktiv mitgestalten können – in Schulen, in Ausbildungszentren und im Alltag.