Mona: «Der Krieg begann an einem Montag…»
Millionen Menschen, darunter viele Kinder, sind vor dem Bürgerkrieg im Sudan geflohen – innerhalb des Landes oder in Nachbarstaaten wie den Südsudan. Doch sie sind nirgends in Sicherheit, denn Hunger und Gewalt machen auch vor Grenzen nicht halt. In diesem Blogartikel lernen Sie Mona kennen. Ihre erschütternde Geschichte steht stellvertretend für viele Schicksale im Sudan und ist ein Aufruf zum Hinsehen. Gemeinsam können wir helfen. Lesen Sie weiter.
Eine Stimme, die gehört werden muss
Mona ist 31 Jahre alt und stammt aus der Region Darfur, einem der am stärksten betroffenen Gebiete des Landes. «Der Krieg begann an einem Montag», erinnert sie sich. Sie ist Mutter von sieben Kindern, ihr ältestes Kind ist bereits selbst Mutter. In ihrem Heimatland heiraten viele Frauen sehr jung. Mona arbeitete hart und verkaufte Sorghum-Korn auf dem Markt. Ihre Kinder waren alle eingeschult. Ihr Mann war gerade nach Gedaref (Sudan) gegangen, als die Gewalt begann.
Mit dem Ausbruch des Kriegs begann für Mona und ihre Familie eine verzweifelte und gefährliche Flucht. Sie suchten Zuflucht in verschiedenen Gebieten und verloren dabei auf tragische Weise ihren sechsjährigen Sohn, der beim Versuch, einen Fluss zu überqueren, ertrank.
Später wurde die Familie von der paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF) eingeholt. Männer wurden brutal ermordet, Frauen vergewaltigt. Mona selbst und mehrere ihrer Kinder wurden schwer verletzt: Ihr kleiner Sohn wurde mit dem Kopf auf den Boden geschleudert und kann seitdem nicht mehr laufen. Ein anderer Sohn wurde gefoltert. Trotz des unvorstellbaren Leids gelang es Mona und ihren Kindern zu entkommen. Drei Monate lang durchquerten sie die Wüste – ohne Nahrung, mit nur etwas Wasser aus Pfützen und Blättern von Bäumen, um zu überleben.
Nach einer langen und erschöpfenden Flucht erreichten sie zu Fuss das Flüchtlingslager in Gedaref. Mona war kaum wiederzuerkennen – erschöpft, verstaubt, mit zerrissener Kleidung. Durch die Unterstützung der Lagermitarbeitenden fand sie neue Kraft. Ihren Mann hat sie bislang nicht wiedergefunden, doch ihre Würde und ihren Mut hat sie nie verloren.
Die Welt muss wissen, was hier geschieht
«Die Welt muss wissen, was hier geschieht», sagt sie. Mona erzählt ihre Geschichte, damit das Leid im Sudan nicht übersehen wird.
Was passiert im Sudan?
Seit der Spaltung des Militärregimes im April 2023 befindet sich der Sudan im Bürgerkrieg. Die sudanesischen Streitkräfte (SAF) kämpfen gegen die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces (RSF). Ursprünglich war geplant, die Macht des Militärs an eine zivile Regierung zu übergeben und die RSF in die Armee zu integrieren. Das Ringen um Macht zwischen den Führern der SAF und der RSF und das Scheitern politischer Kompromisse verunmöglichten diesen Prozess. Der Konflikt eskalierte.
Die Armee kontrolliert die meisten Gebiete im Osten, im Norden und im Zentrum des Sudan, während die RSF im Westen, insbesondere in Dafur, die Oberhand gewonnen hat. Beiden Konfliktparteien werden Kriegsverbrechen vorgeworfen. Hunger wird als Waffe eingesetzt und selbst in Vertriebenencamps sind Übergriffe und Gewalt an der Tagesordnung. Nahrungsmittel sind dort äusserst knapp – oft fehlt es an allem.
Mit ena nachhaltig helfen
Die humanitäre Krise betrifft nicht nur den Sudan selbst, sondern auch das Nachbarland Südsudan. Der Zustrom Geflüchteter überlastet dort die ohnehin schwachen Infrastrukturen und stellt die Gastgemeinden vor grosse Probleme.
Ena unterstützt gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation ZOA Familien in Vertriebenencamps in Aweil, an der Grenze zwischen dem Sudan und dem Südsudan. Unsere Nothilfe sichert das Überleben vieler Menschen, aber sie greift auch langfristig:
- Landwirtschaftliche Unterstützung: In Aweil konnten bereits 600 Haushalte mit Saatgut und Werkzeugen für den Anbau von Grundnahrungsmitteln versorgt werden. Etwa 300 Menschen – überwiegend Frauen – wurden bereits im Ackerbau geschult, um selbst Lebensmittel anbauen zu können und ihre Ernährung nachhaltig zu sichern. 300 weitere sollen bis Februar 2026 folgen.
- Zugang zu sauberem Wasser: Fünf Brunnen wurden saniert, vier weitere gebaut. So erhielten insgesamt rund 15’940 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
- Stärkung der Gemeinschaft: Neun Wassermanagementkomitees wurden gegründet und geschult, um die Brunnen langfristig zu verwalten. Zudem erhielten fast 12’000 Menschen Schulungen zu Hygienethemen.
Weitere Aktivitäten – unter anderem zur Instandsetzung von Brunnen und zur Verteilung von Werkzeugen – sind bereits in Planung, damit noch mehr Familien wieder auf eigenen Beinen stehen können.
Jetzt handeln
Gemeinsam können wir helfen und dafür sorgen, dass die Menschen im Sudan und Südsudan nicht vergessen werden. Mona steht stellvertretend für unzählige andere, die tagtäglich um ihr Überleben kämpfen. Ihre Stimme erinnert uns daran, dass Wegsehen keine Option ist. Indem wir hinschauen, verstehen – und handeln –, geben wir Hoffnung zurück. Denn Menschlichkeit beginnt dort, wo wir gemeinsam Verantwortung übernehmen.