Im Wandel aktiv: «Wenn plötzliche Überschwemmungen auftreten, müssen wir unsere Ansätze anpassen»
Man sagt, nichts sei so beständig wie der Wandel. Was löst dieser Satz bei dir aus, Vera?
Persönlich mag ich Wandel und Veränderung. Sie bringen Bewegung und Entwicklung und wecken meine Neugier, Neues kennenzulernen und daraus zu lernen. Wandel ist auch für die internationale Zusammenarbeit zentral: Politik, Weltwirtschaft und Klima verändern sich laufend. Das ist oft herausfordernd, kann aber auch sehr positiv sein – etwa wenn Projektteilnehmende ihr Potenzial entfalten und ein selbstständiges Leben aufbauen können.
Welche Entwicklungen im Weltgeschehen spürt ihr in eurer Arbeit derzeit am stärksten?
In unserer täglichen Arbeit spüren wir derzeit besonders die Folgen des Klimawandels, politischer Veränderungen im In- und Ausland sowie damit verbundener Regierungswechsel. Auch anhaltende Konflikte und neue bilaterale und multilaterale Abkommen beeinflussen unsere Arbeit. Zudem wirkt sich die weltwirtschaftliche Lage, insbesondere die Inflation in unseren Projektländern, auch deutlich auf unsere Arbeit aus.
Was bedeutet es für ena, Wandel nicht nur zu erleben, sondern aktiv darauf zu reagieren?
Wir gestalten unsere Programme bewusst agil und verbinden das mit soliden Grundlagen im Programmmanagement. Diese Kombination gibt uns Stabilität und gleichzeitig die nötige Flexibilität, um auf Veränderungen zu reagieren.
Gibt es Momente, in denen ihr ein Projekt ganz neu denken musstet?
Ja, absolut. Unsere Projekte sind stark kontextabhängig – und diese Kontexte können sich schnell verändern. Wenn beispielsweise klimabedingte Krisen wie plötzliche Überschwemmungen auftreten, müssen wir unsere Ansätze anpassen, damit Projekte weiterwirken können. Gleichzeitig lernen wir daraus und integrieren solche Erfahrungen proaktiv.
Wie schafft ihr es, auch in unsicheren Situationen an den Menschen dran zu bleiben, für die ihr arbeitet?
Das gelingt uns vor allem dank unserer starken lokalen Partner. Unser Anspruch ist es, Menschen ganzheitlich zu begleiten – auch in sich verändernden Lebenssituationen. Unsere Partner sind vor Ort, nah an den Projektteilnehmenden, und können laufend einschätzen, was aktuell am dringendsten gebraucht wird.
Was ist schwieriger: schnell zu handeln oder dabei langfristig wirksam zu bleiben?
Langfristig wirksam zu bleiben ist schwieriger – gerade weil es Zeit, Kontinuität und verlässliche Finanzierung braucht. Schnelles Handeln gelingt uns gut, wenn klare Prozesse und starke Netzwerke vorhanden sind. Gleichzeitig ist es entscheidend, beides zusammenzudenken. Genau in dieser Spannung arbeiten wir bewusst: Mit einem Nexus-Ansatz verbinden wir kurzfristige Reaktionen mit langfristigen Entwicklungszielen, sodass aus schnellem Handeln nachhaltige Wirkung entstehen kann.
Was gibt dir in dieser anspruchsvollen Arbeit Hoffnung?
Mich motiviert besonders zu sehen und zu spüren, wie unsere Projekte Menschen verändern. Nicht jede Aktivität zeigt sofort Wirkung, aber viele tragen dazu bei, dass Teilnehmende neue Perspektiven entwickeln: Sie schöpfen Hoffnung, gewinnen an Kraft und erkennen ihr eigenes Potenzial.